Gran Canaria (Las Palmas), November 2013

Las Palmas de Gran Canaria
Las Palmas de Gran Canaria

Spanier küssen gern

Am Abend nach der Ankunft gönnten sich Adela und Sandra ein feines, spanisches Essen im Hafen. Die Kellnerin und Adela kamen rasch miteinander ins Gespräch und fanden dabei heraus, dass sie aus der gleichen Gegend in Spanien stammten. Die Kellnerin wollte ihr Leben und ihren stressigen Businessjob ändern, kündigte und flog nach 

Gran Canaria. Vor zehn Tagen kam sie an, fand innerhalb weniger Tage einen Job und schwärmte von den freundlichen Einwohnern der Insel. Die Unterhaltung der beiden wurde immer herzlicher und so kam es, dass auch Sandra bei der Verabschiedung Küsse erhielt – wohlgemerkt von einer wildfremden Kellnerin. Daraufhin ging’s in die Sailor’s Bar, wo wir unseren Biergutschein pflichtbewusst einlösten. Adela begann, mit Marta zu reden, einer spanischen Seglerin am Nachbartisch. Diese hatte ihre ersten drei Segeltage damit verbracht, sich ohne Unterbruch zu übergeben. Am vierten Tage meinte einer der anderen Segler, sie müsse jetzt entweder Salzwasser trinken oder einen rohen Fisch essen, damit die Übelkeit verschwinde. Sie sagte, nein, sie koche aber für alle. Von da an war sie von der Seekrankheit geheilt. Adela und Marta verabredeten, sich am nächsten Tag wieder in der Bar zu treffen (was allerdings nicht geschah) und schwupps – die nächsten Verabschiedungsküsse für Sandra – wieder von einer Wildfremden. Zu guter Letzt drückte Adela Sandra auch noch zwei Gutenacht-Küsse auf – so viele spanische Küsse an einem Tag sind einsamer Rekord!!!

 

Etwas Philosophie und Schweizer Geschichte

Am nächsten Tag lernte Sandra alle Bekanntschaften Adela’s auf der Insel kennen. José, einen guten Freund, Domingo, den olympischen Goldmedalliengewinner im Rigging, Philippe, den Carpenter, Claus, den Metallmann und schliesslich am Abend noch Xavier, den Hafenmeister. So kam es, dass Sandra regelmässig Grüsse nach links und rechts rufend durch die Marina lief. Von der ARC, die immerhin über 1000 Teilnehmer hat, kannte sie noch niemanden, aber ansonsten den ganzen HafenJ.

Mit Xavier verabredete sich Adela  spontan zum Abendessen. Sandra war mit von der Partie und hörte mit offenen Ohren und grossen Augen der vornehmlich in Spanisch gesprochenen Unterhaltung zu. Xavier erstaunte damit, dass er viel über die Geschichte der Schweiz wusste, von der Armut in den Zwanziger Jahren bis hin zur späten Einführung des Frauenstimmrechts. Die Unterhaltung wurde anschliessend immer philosophischer. So meinte Xavier, dass das Geheimnis des Lebens nicht darin bestände, viel zu haben, sondern darin, mit wenig glücklich zu sein. Sandra liess dies auf sich einwirken – und wohl auch die anschliessende Bemerkung, der Adela lautstark zustimmte: Das Paradies sei nicht in der Karibik oder auf Fidschi, sondern in unserem Kopf. Sandra dachte enttäuscht, dass sie dies gerne erst später erfahren hätte, nicht unbedingt zu Beginn der grossen Reise...

 

Die neblige Winterinsel

Als Tom endlich auf der Insel eintraf, liess sich für Sandra die Sozialisation mit anderen ARC-Teilnehmern nicht mehr länger aufschieben. Wiederum gab es einiges zu tun und letzte Vorbereitungen zu treffen. Morgen hiess es früh raus aus den Federn und abends sanken wir um zehn todmüde ins Bett. Unzählige Male tauchte Sandra im Bootszubehör-Laden auf. Die einzige Frau unter Männern fiel natürlich auf und schon bald kannte Sandra die ganze Belegschaft und wurde immer herzlich begrüsst, kaum öffnete sie wieder einmal die Tür. Doch, doch, die Spanier sind ein nettes Volk!

 

Am Sonntag mieteten wir uns ein Auto, damit wir endlich etwas die Insel erkunden konnten, zusammen mit Waschi, unserem Maskottchen aus Luxemburg. Von Las Palmas aus gings hoch in die Berge – leider bei Hochnebel. Es war mit 5 Grad wohl gleich kühl wie in der Schweiz zur Zeit. Wir konnten es nicht fassen... So sahen wir leider auch das Wahrzeichen der Insel nicht, so dicht war der Nebel. Sandra fotografierte fortan eifrig aus dem Auto heraus, nur damit wir nicht mehr aussteigen und frieren mussten.


Je näher wir gegen Süden kamen, desto besser wurde es! Die Temperatur betrug plötzlich wieder wunderbare 22 Grad, die Sonne wärmte unsere halb erfrorenen Füsse fleissig. In Maspalomas besuchten wir den schönen Dünenstrand – nachdem wir eine gute Stunde um alle Apartementhäuser und Hotels herumirren mussten und uns schon fragten, ob es überhaupt einen Strand gäbe. Maspalomas ist total auf Touristen eingestellt und eine völlig typische Feriendestination – nur die Kellner sprechen spanisch.

 

Die Crew

Für die Atlantiküberquerung war bereits klar, dass uns Fritz begleiten würde. Zusätzlich wollten wir eine vierte Person an Bord haben. So führten wir einige Interviews: Von Rodolphe, einem jungen Franzosen, über Caroline, einer Künstlerin aus Holland und Dan, einem Astronom aus den USA. Davon mochte uns keiner zu überzeugen, Tom und Sandra waren sich jeweils schnell einig. Schliesslich fanden wir in Jürg einen passenden Begleiter, der das Schweizer Crewmitglied (Sandra) auf der Schweizer Yacht Sweet Pearl verstärkte – neben einem Luxemburger (Tom) und einem Deutschen (Fritz) J.

 

Kommunikation während der Atlantiküberquerung

Wir versuchen, während der Atlantiküberquerung (für die wir drei Wochen einplanen) so oft wie möglich einen Blog zu schreiben. Unter diesem Link könnt ihr diese lesen: Gebt einfach den Namen Sweet Pearl und das Jahr 2013 ein, dann seht ihr unsere Eintragungen. Zusätzlich könnt ihr unter diesem Link (Rallies-->ARC-->Fleet Tracker) auch mitverfolgen, wo im grossen Teich wir mit der Sweet Pearl gerade schwimmen.

 

Loooos geht's!

In gut viereinhalb Stunden gehts los! Wir haben unsere Vorräte gekauft, Früchte und Gemüse gewaschen und alles verstaut (erstaunlicherweise hatte alles Platz). Sogar eine Anglerrute haben wir an Bord! So sollten wir genügend zu essen haben auf der Reise... Heute herrscht schon früh morgens (im Vergleich zu den anderen Tagen) reger Betrieb in der Marina. Fast schon überkommen Sandra etwas wehmütige Gedanken, hatte sie doch eine solch' fröhliche Zeit hier im Hafen und viele sehr sympathische Spanier kennengelernt, die sich freuten, wenn sie ihr Stotter-Spanisch gebrauchte... Aber trotzdem, es tut gut, endlich loszufahren... Karibik - wir kommen!!!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Damsel in waiting - in Zug, CH (Sonntag, 24 November 2013 11:52)

    An Sandra, Tom, Jürg und natürlich die Liebe meines Leben Fritz,
    Euch wünsche viel Vergnügen, Weissheit, Innere Frieden, Mut und Erfolg auf eure Atlantik- Abenteuer. Mein Herz und Gedanken sind bei euch! Gottes Segen (auch für guten und konstanten Wind, sonniges Wetter und eine fröhliche Zeit an Board).
    Grosse Umarmung!
    Melissa (Damsel in waiting)